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Rustikaler Stern

Mit der X-Klasse betritt Mercedes Benz als erster Premiumhersteller das Pick up-Parkett. Ob er trotz Nutzfahrzeuganforderungen ein echter Mercedes ist, zeigt unser Test.

Imposant steht er da, bullig, edel - ein echter Mercedes eben. Nicht ganz, unter der X-Klasse steckt eigentlich ein alter Bekannter. Der Nissan Navara ist zwar nicht ganz so edel, darf aber durchaus als bewährte Plattform für gröberen Untergrund gesehen werden. Mercedes ist nach Renault übrigens der zweite Hersteller, der einen Pick up auf dem Japaner aufbaut. Dabei darf man nicht vergessen, dass Mercedes schon einmal ein Auto aus der Renault/Nissan-Allianz als Basis genommen hat: der Mercedes Citan war nur ein schlecht geschminkter Renault Kangoo. Damit solch ein Desaster nicht noch einmal passiert, griffen die Verantwortlichen bei der X-Klasse viel tiefer in die Trickkiste. Das zeigt sich schon an den Ausmaßen - ganze sieben Zentimeter Breiter ist die X-Klasse als sein Technikbruder. So distanziert er sich weit mehr als beispielsweise der Renault Alaskan, der dritte im Bunde. Das verhilft ihm natürlich auch zu einer stämmigeren Statur. Das Antlitz ist typisch Mercedes. Durchaus gelungen ist die Kombination der aktuellen Designsprache der Deutschen mit dem rustikalen Charakter eines hemdsärmeligen Pick ups.

Auch im Inneren merkt man die dazugewonnene Breite. Im X-Klasse Cockpit fühlt man sich ein bisschen wie in Anne Hathaways Cottage, dem berühmten Bauernhaus von William Shakespeares Frau. Einfache, rustikale Materialien, viel Platz und trotzdem sehr heimelig geht es im Pick up zu. Zugegeben, es sind nur die Türinnenverkleidungen und das Instrumentenpanel aus Plastik - das ist seiner Basis zu verdanken. Sonst erblickt man viele Bedienteile aus der C-Klasse, die ein würdiger Teilespender ist. Mercedes betont nämlich stets, dass die X-Klasse kein Nutzfahrzeug ist, sondern ein lifestyliges Familienfahrzeug. Gut, das mag zwar für die höherwertig ausgestatteten Versionen zutreffen, das getestete Ausstattungsniveau "Progressive" ist aber sehr einfach gehalten. So ausgestattet, zielt der Japano-Schwabe direkt auf die Zielgruppe der noblen Förster und eleganten Jäger. Eben jene Menschen, die Geländegängigkeit und Ladefläche benötigen, aber auch den Stern im Kühlergrill wertschätzen.

Dank Leiterrahmen, ordentlicher Bodenfreiheit und Geländeuntersetzung schafft die X-Klasse nahezu jeden erdenklichen Untergrund. Trotz Starrachse fährt sich der Pick up aber auch auf der Straße durchaus ansprechend - komfortabel wäre übertrieben, aber man merkt, dass sich die Ingenieure bei Mercedes dem Thema mit gefälligem Resultat gewidmet haben. Es poltert nix, grobe Fahrbahnunebenheiten schlagen nicht 1:1 durch und nicht einmal das unbeladene und somit leichte Heck macht beim Kurvenfahren faxen. So rechtfertigt er seinen Status als urbanes Abenteuermobil.

Der Motor passt zum Gesamtpaket, ist etwas ruppig, aber sehr kräftig. Die Schaltwege sind zwar sehr lang, das tut dem Geländefahrspaß aber keinen Abbruch. Wer sich für den kräftigeren der beiden Vierzylinder-Diesel entscheidet, kann auch eine Siebengang-Automatik ordern. Beide Antriebe kennen wir schon von den Technik-Brüdern, dort aber weniger gut gedämmt. Generell ist es in der X-Klasse erstaunlich ruhig, auch Windgeräusche werden erfolgreich weggefiltert. Und die Ladefläche? Hier ist das große X gerade mal im unteren Durchschnitt. Eine Europalette passt zwar locker aufs Ladebett, mit einer Länge von 1,59 Metern und einer Breite von 1,56 Metern muss sich die Fläche dann doch relativ deutlich hinter Mitsubishi L200 oder dem Platzhirsch Toyota Hilux einordnen.

Wo wir gerade von Maßen sprechen: die X-Klasse ist mit 5,34 Metern sogar länger als die S-Klasse, also der längste Mercedes - die Pullman-Modelle natürlich ausgeschlossen. Mit der großen Staatslimousine teilt er sich allerdings die Topmotorisierung: den Dreiliter-V6-Diesel mit 258 PS. Der ist dann auch mit knapp 55.000,- Euro Basispreis fast zu schade, den Lastesel zu Markieren. Ein Pragmat darf man zwar auch bei der getesteten Version für knapp 41.000,- Euro nicht sein, denn die Aufpreisliste lockt mit vielen Optionen, aber der moderate Aufpreis zum Navara ist in jedem Fall gut investiert.

Hat er den Stern nun verdient? Ja, hat er. Was die Verantwortlichen bei Mercedes aus dem doch recht rauen Nissan Navara gezaubert haben, ist aller Ehren wert. Dass es dieses Paket zumindest für Unternehmer schon für unter 30.000,- Euro gibt, macht die Sache nur noch besser.

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