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Mehr als ein Halbgott

Nobel und kraftvoll, aber bitte ohne Angeberei und Übertreibung. Diese Attribute teilt sich die zweitstärkste E-Klasse mit der Stadt Baden.

Es ist ja kaum zu glauben - mit 401 PS, 4,6 Sekunden für den Sprint auf 100 und einem Grundpreis von 93.880 Euro gehört man im Segment der Businesslimousinen keinesfalls mehr zur Speerspitze. Die tobt sich mit turbobefeuerte Achtzylindern jenseits der 600 PS-Marke im Revier der Supersportwagen aus. Gut so, denn für den täglichen Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder auch für einen längeren Trip in den Urlaub sind die RS, M oder 63er-Modelle einfach zu brutal. Lautstärke, Spritdurst und auch das martialische Auftreten sind jenseits von Gut und Böse. Diese Tatsache haben sich die Verantwortlichen bei Mercedes-AMG zu Nutze gemacht und die diesseitigen Talente des AMG E 63 zu einem überraschend eigenständigen Paket zusammengeschnürt. Natürlich trägt auch der 43er die affalterbacher Insignien mit Stolz. Beispiele dafür sind Vier Endrohre, die Carbon-Spoilerlippe und eine Bereifung, die jeden Tuningfreund Freudentränen ins Gesicht zaubert.

Im Gegensatz zu seinem rund 45.000 Euro teureren und 200 PS stärkeren Bruder gibt sich der 43er gelassener und vor allem vornehmer. Das merkt man schon kurz nach dem Einsteigen beim Anlassen des Motors. Sein Biturbo Sechszylinder in V-Anordnung klingt heiser und nicht zu laut, macht beim Beschleunigen durchaus auf sich aufmerksam. Dabei schaltet der wirklich feine Neunstufen-Automat butterweich, aber durchaus flott und der Allrad sorgt für immerwährenden Grip. Wüssten wir es nicht besser, könnte das ebenso der Gipfel des Limousinenbaus sein.

Komfort & Sport

Man fühlt sich ein bisschen wie in einem High-Class GTI für Erwachsene. Egal wie sehr man sich anstrengt, man wird kaum grobe Störfaktoren am schnellen Stern finden. Es wirkt, als wäre es den Ingenieuren tatsächlich gelungen, die jahrhundertelange Erfahrung aus komfortablen Personentransport, die ja gewissermaßen die grundlegenden Charakterzüge des Stuttgarter Autobauers eingefärbt hat, mit der performanten Essenz von AMG zu vereinen. Dabei muss als Analogie für die Gemüts-Spreizung des 43er nicht Dr. Jekyll und Mr.Hyde herhalten - das wäre zu extrem. Er ist eher Bruce Wayne und Batman, kann nett aber auch böse, ist in Summe seiner Eigenschaften auch im Extremfall der selbe Typ.

Trotz seiner Gentleman-Allüren merkt man, dass man in einem sportlichen Ableger der sonst so dezenten E-Baureihe ist. Beginnend bei knallroten Gurten über das mit Alcantara bezogene Volant wird spätestens beim straffen Fahrwerk klar, wie der Hase läuft - am liebsten flott. Ungeachtet der, für seine Größe und Statur, sehr agilen Fahreigenschaften bügelt das große E am liebsten Autobahnkilometer glatt. Dank des seidenweichen V6 nimmt er längere Fahrten mühe-, und fast noch wichtiger, fast geräuschlos. Ersteres ist ob der 401 PS kein Wunder, zweiteres kommt mangels Windgeräuschen noch mehr zur Geltung - die Dämmung leistet hervorragende Arbeit.

Gut und teuer

Auf dem Highway selbst kann man dann auch ein bisserl auf das feine Interieur achten - teilautonomes Fahren vorausgesetzt. Die beiden Bildschirme im Mega-Querformat faszinieren aufgrund ihrer Größe und Detailgenauigkeit. Aufgrund fehlender Touchfunktion, dafür aber mit Touchpad sowie einem Dreh-Drück-Regler ausgestattet, wirkt die Bedienung der Sekundärfunktionen nicht wirklich ausgereift. Auch die Blackberry-artigen Touchknöpfen am Lenkrad sind nicht immer ganz logisch. Mag sein, dass man sich mit der Zeit daran gewöhnt - im durchschnittlichen Testzeitraum war das aber nicht möglich. Die Sitzverstellung am Türpanel gehört wiederum zu dem Besten, was dieser Bereich zu bieten hat - ebenso die großzügig geschnittenen Sesseln aus einem Materialmix aus glattem und gelochtem Leder sowie Alcantara.

Doch nicht nur die vorderen Plätze sind wohlbemessen, auch im Fond findet man mehr als ausreichend Platz. Place to be ist trotzdem nicht hinten rechts sondern vorne links - wenn man das nötige Kleingeld hat. So ein Mercedes war noch nie ein Sonderangebot, wie eingangs schon erwähnt, kostet der E 43 93.880 Euro - in der Basis. Standesgemäß gehören mindestens dazu: Keyless Go für knpp 900 Euro, das Navi um etwa 3.200 Euro, Lederausstattung für rund 2.800 Euro. Schwupps, rutscht der Preis ins Sechsstellige. LED-Scheinwerfer muss man dann trotzdem noch extra bezahlen...

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