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Landstraßenjunkie

Porsche hat seine 718er-Sportler geliftet und mit einem Vierzylinder-Turbomotor bestückt. Wir haben uns die schärfste Ausbaustufe zur Brust genommen – den GTS mit 365 PS.

Es gab sie immer, die Sportwagen innerhalb des Porsche-Portfolios, die im Schatten des legendären Neunelfer standen. Es eint sie nicht nur der günstigere Preis, sondern auch die Anzahl der Zylinder. Egal ob 914, 944 oder der noch junge 718 - alle haben sie mit vier Töpfen zwei weniger als das zuffenhausener Aushängeschild. Als Hausfrauenporsche belächelt, fristen zumindest die älteren Vertreter der Vierzylinder-Zunft oft eine unwürdige Existenz zwischen Fähnchenhändlern und zentimeterdicken Staubschichten. Das dem 718, wie der Beiname des Boxster jetzt lautet, ein ähnliches Schicksal bevorsteht, darf aber bezweifelt werden. Für ein Schattendasein sieht er einfach zu gut aus. Breit, stämmig und trotzdem kompakt steht er da. Während man seinen Vorgängern noch eine gewisse feminine Seite andichten wollte, blickt der 718 seine Kritiker einfach böse an. Eine nicht zu leugnende Mitschuld an der gewonnenen Maskulinität trägt die Tatsache, dass der getestete Boxster ein GTS ist. Die schwarzen Akzente verleihen dem ansonsten sehr harmonisch gezeichneten Cabriolet einen dezent aggressiven Beigeschmack.

Auf den wirklich gut geschnittenen Alcantara-Sesseln Platz genommen, stellt sich sofort das Porsche-Gefühl ein. Die hochwertigen Materialien sind durch die Bank hervorragend verarbeitet, die Bedienung besticht mit Logik. Die rechte Hand greift nach dem Volant, die linke nach der Zündung - und wir sind begeistert, wie gut ein Vierzylinder klingen kann. Er sägt nicht so wie der Sechszylinder, klingt dabei wie ein Edel-Remix der alten Subaru STIs nach dem obligaten Akustiktuning. Im Normal-Modus massiert das 2,5-Liter Aggregat mit bassigem Unterton den Rücken der Passagiere, dreht man den Fahrdynamikschalter am Lenkrad aber auf Sport, fängt der kleine Porsche an zu Brüllen, Sprotzeln und Schießen. Dabei ignoriert er gekonnt das alte Sprichwort "Hunde die bellen, beißen nicht" - denn er kann beißen. Es ist unfassbar, welche Leistung die Ingenieure aus dem Motörchen kitzeln. Er bietet Kraft in jeder Lebenslage, garniert diese mit Turbo-Punch und serviert sie über das ultraschnelle Siebengang-DSG. Das ist der Stoff, aus dem Buben- und natürlich auch Mädchenträume gemacht sind.

Am besten spielt der 718 seine Stärken auf der Landstraße aus. Sein geringes Gewicht, der kurze Radstand und der niedrige Schwerpunkt sorgen für Lachfalten nach ausgedehnten Kurvenexzessen. Die extrem direkte Lenkung verstärkt das Gefühl der Verbundenheit zum Auto, die sehr tiefe Sitzposition die des Autos zu Straße. Das führt zwar zu Yoga-ähnlichen Figuren beim Ein- beziehungsweise Aussteigen, verdeutlicht aber das Charakterbild als Einstieg in die Welt der ernsthaften Sportwagen - SUV gibt es eh schon genug. Außerdem reichen die Kofferräume des GTS auf jeden Fall für ein verlängertes Wochenende in einer Wunschdestination im Süden. Wo genau, spielt keine Rolle. Wichtig ist nur, dass man offen fahren kann. Das formschöne Stoffdach in Ehren, aber offen sieht der kleine Porsche einfach um Welten besser aus. Dazu kommt, dass der Fahrspaß oben ohne noch viel ungefilterter ist. Wer intensiven Fahrtwind nicht mag und an seiner Frisur hängt, soll sich doch bitte einen Cayman zulegen.

Wer allerdings an seinem Ersparten hängt, sollte jetzt aufhören zu lesen. Billig war Porsche noch nie - auch nicht mit nur vier Zylindern. In der GTS-Version kostet der 718 Boxster allerdings knapp 97 Tausend Euro. Da braucht es nicht viel Extrawünsche, um den Preis mal schnell ins sechsstellige zu treiben. Und ja, es geht immer noch um den vierzylindrigen Boxster. Den gibt es in der Basis zwar schon ab etwa 66 Tausend - dann ist er halt nicht so cool wie der GTS. Ein sechsstelliger Betrag für ein kleines, vierzylindriges Cabriolet ist eine ordentliche Hausnummer. Die relativiert sich aber mit der Tatsache, dass er ein hervorragender Sportwagen ist, super aussieht und einen Fahrspaß bietet, den man auch einige Preisklassen höher oft vergeblich sucht. Vielleicht waren es einfach die drei Zahlen, die ihm gefehlt haben - jeder legendäre Sport-Porsche hatte ja eine Nummernbezeichnung. Genau so könnte der Porsche 718 Boxster es schaffen, als erster Vierzylindriger Sportwagen aus Zuffenhausen aus dem Schatten des übermächtigen 911 fahren und seine eigene Geschichte schreiben.

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