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Green Dream

Wir fahren mit einem Lamborghini Huracan Spyder durch Italien und lernen die Vorzüge eines offenen Supersportwagens zu schätzen. Was die Boden-Boden-Rakete aus dolce vita ausmacht und was sie kann, lesen Sie hier.

Es ist ein schöner Frühlingstag in Sant'Agata, einem kleinen Ort im Bezirk Bologna. Weit und breit ist kein Berg in Sicht und es scheint, als stünde man mitten im Marchfeld Italiens, nur eben, dass diese Gegend nicht für Gemüse, sondern für viel schärferes bekannt ist. Bologna steht ja seit dem gleichnamigen Nummer 1 Hit der österreichischen Band Wanda für Amore. Verständlich, denn in diesem Dorf entstehen einige der wohl hinreissendsten Sportautos der Welt. Wie ein Wallfahrtsziel für PS-Jünger stehen die Werkshallen am Rande von Sant'Agata. Der Testwagen, ein Huracan Spyder ähnelt der umliegenden Landschaft: Flach, leuchtend grün und so italienisch wie gutes Olivenöl. Frei nach Herbert Grönemeyer sind es keine Schmetterlinge, es sind Flugzeuge, die sich im Bauch tummeln. Mit jedem Schritt auf den Lambo zu wächst die Freude.

Um die Vorfreude noch ein wenig zu wahren, drehen wir eine kleine Runde um das Geschoss. Aus der Nähe wird es noch klarer als sonst, dass die Silhouette den Grundcharakter des Lamborghinis bestimmt. Kantig, mit vielen Schlitzen versehen und doch, als wäre der Wagen mit nur ein paar Strichen und einem Geodreieck entworfen erinnert er ein bisschen an der wohl schnellsten Türkeil der Welt. Bei der Fahrertür angekommen fühlt man sich fast wie ein kleines Kind, das zum ersten mal ein Geschenk unter dem Christbaum aufmacht. Nicht an der Schleife, sondern an der versenkten Türklinke gezogen, öffnet sich das Wunderland. Es gibt Leder, Composite Carbon und Aluminium, so weit das Auge reicht. Dazu ein paar rote Akzente, die die aggressiven Veranlagung noch mehr verdeutlichen. Ja, der Fahrgastraum des Lamborghini Huracan Spyder würde garantiert das Güresiegel der Domina-Innung bekommen. In den Schraubstockartigen und überraschenderweise sehr hoch montierten Sitzen angekommen, bewegt sich der Zeigefinger der rechten Hand ganz intuitiv zu der roten Abdeckung in der Mittelkonsole und drückt den Knopf darunter. Ohne Anlassgeräusch, geschweige denn einer Gedenksekunde geht ein Ruck durchs Auto und das V10-Monster fängt an zu werken.

Um ein wenig Luft überm Scheitel zu bekommen, wird das Dach geöffnet. Das dauert rund 17 Sekunden und ist bis 50 km/h möglich. So kann man auch die Reaktionen der Leute sehen, an denen man vorbeifährt - und die sind selbst im Lambo-verwöhnten Sant' Agata überraschend emotional. Von nach oben gestreckten Daumen bis hin zum "Gib mal Gas-Handzeichen" ist alles dabei. Auch, als wir uns einen kleinen Scherz erlauben und als erstes Ziel den benachbarten Ort namens Maranello ins Navi eingeben, der Heimat des großen Konkurrenten. Aber selbst dort gab es nur positive Reaktionen auf den grünen Flachmann. Danach geht es weiter zum Gardasee - hach Italien, was bist du nur für ein schönes Land. Mittlerweile an die staunenden Verkehrsteilnehmer gewöhnt, geht es in bester Cruiser-Manier in Schrittgeschwindigkeit durch die bezaubernde Ortschaft Garda, die dem See ihren Namen verleiht. Natürlich eignet sich ein Lamborghini Cabrio zum flanieren, keine Frage. Selbst der Federungskomfort ist im Fahrmodus Strada angemessen. Neben seines Supersportler-Daseins ist er auch ob seiner Extravaganz eins der vermutlich besten Lifestyle-Autos. Doch eine Innenstadtstraße ist dem enormen dynamischen Talent des Lambos einfach nicht würdig. Also geht's raus aus der Stadt in Richtung Berge. Auf den verwinkelten Bergstraßen soll der Kampfstier seine Muskeln zeigen.

Er wird allen Erwartungen gerecht. Schon nach der ersten Kehre merkt man, mit welcher Grundidee der Huracan entwickelt wurde: purer Kurvenspeed. Der Allrad verbeisst sich förmlich in den Asphalt, kennt keine Traktionsgrenzen und beschleunigt den Italiener auch aus engen Serpentinen ohne durchdrehende Räder heraus. Dabei schreit sich der der 5,2 Liter-Motor gefühlt ein Loch ins Trommelfell der Insassen, wenn man ihn bis auf beinahe 9.000 Touren dreht. Danke, Lamborghini, dass ihr noch nicht auf Turbomotoren umgerüstet habt. Diesen Klang und besonders die Drehfreude wird man in einigen Jahren nicht für Geld und gute Worte kaufen können. Also genießen wir sie, solange man sie noch genießen darf.

Doch nicht nur subjektiv beschleunigt der V10, wie von der Tarantel gestochen. Nach 3,3 Sekunden ist das Tempo dreistellig, in weiteren 6,9 Sekunden fährt der Donnerkeil schon 200 Kilometer in der Stunde. Nur fürs Protokoll, denn das wäre viel zu viel für die kurvigen Bergstraßen Norditaliens. Die pochen eher auf Quer- statt Längsdynamische Talente. Hier wird auch der Unterschied vom gemütlichen Strada-Modus zum heftigeren Sport-Modus deutlich. Die Lenkung verhält sich spitzer und gibt mehr Rückmeldung, auch das Fahrwerk verhärtet sich zusehens. Man könnte es vermutlich mit der Wasserwaage beweisen, der Lamborghini wankt auch in schnellen Kurven keinen Millimeter. Am Ende der Straße sind wir genau dort angekommen, wo ein Lamborghini hingehört: Ganz Oben. Auch wenn der Spyder schwerer und weniger extrem als das Coupe ausgelegt ist, fasziniert er durch seine rennsportliche Attitüde. Er ist ein unglaublich schnelles Auto, sehr sportlich und dabei - bis auf den Saugmotor - so gar nicht puristisch. Vermutlich ist es genau das, was diesen faszinierenden Wagen ausmacht. Und da sind sie wieder - selbst beim Gedanken an dieses Auto sind sie wieder da: die Flugzeuge im Bauch.

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