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Gentlemanracer

Wir bitten den Aston Martin DB 11 zum britischsten, was man abseits von Fußball und Geisterfahren in Wien machen kann: Tea Time im Steigenbergerhotel Herrenhof.

Als Motor-Journalist hat man an manchen Tagen im Jahr die Chance, ziemlich feine Autos durch die Gegend zu kutschieren. Dass aber Personen vor das Fahrzeug springen, mit der einen Hand "Stop" deuten und mit der anderen ein Foto machen, passierte das erste Mal. Und das zweite Mal. Das Kuriose daran: Man kann die Menschen, die das machen, sogar ein wenig verstehen. Der Aston Martin DB 11 versprüht einfach eine unglaubliche Aura. Im Cruising-Modus schwebt er wie ein UFO über alles erhaben durch die Innenstadt, begleitet von ungläubigen Blicken voller Anerkennung. Trotz seines absolut eindrucksvollen Auftritts ist der DB 11 kein Angeberauto, sondern mehr die automobile Verkörperung einer Frau, die auch ungeschminkt richtig schön ist.

Hauptquell der Euphorie bei der Betrachtung dieses vierrädrigen Kunstwerks ist die unvergleichliche Silhouette. Sie ist schnörkellos modern, kann durch Attribute wie flach, lang und trotzdem knackig durchaus auch als klassisch bezeichnet werden. Was unter dieser hinreißenden Form lauert, ist allerdings modisch wie ein Hipsterbärtchen: Downsizing. Ja, das schlimme Wort mit D hat auch in der Luxusklasse Einzug gehalten, was in diesem Falle aber sehr zum Wohle des Autos selbst ist. Unter der Motorhaube, deren Scharniere typisch Britisch auf der anderen Seite als vermutet montiert sind, pocht ein deutsches V8-Herz. Nichts geringeres als der Prachtmotor der AMG-Modelle hat den Weg in den Bug des Aston-Martin gefunden. Damit hat er zwar vier Zylinder, 1,2 Liter Hubraum und 100 PS aber auch 100 Kilogramm weniger als sein V12-Bruder. Außerdem macht sich die Motor-Diät auch angenehm auf dem Preisschild bemerkbar. Nicht, dass die Affalterbacher Ingredienz den schönen Knaben aus Gaydon zum Diskont-Produkt stempelt - er kostet mit einem Startpreis von etwa 240.000,- Euro immer noch so viel wie eine noble Eigentumswohnung für zwei. Apropos "für zwei": Nur weil der DB 11 eine Rückbank hat, heißt es noch lange nicht, dass der Durchschnittseuropäer sie auch benutzen kann. Man könnte sie aber als wohl als barock ausgeformte Ablage für Pilot und Co betrachten - der Kofferraum selbst gibt nämlich nicht wirklich viel her.

Ordentlich was her macht allerdings der Innenraum. In diesem - sehr speziellen - Falle ist er in Violettes Leder gehüllt und mit orangenen Ziernähten aufgehübscht. In den herrlichen Sesseln einmal Platz genommen, blickt man erst auf das hübsch gemachte digitale Cockpit, dann auf die Mittelkonsole, die die Tasten für das Automatikgetriebe trägt bis die Augen bei einem seltsamen Schalter hängen bleiben. Letzter betätigt das Staufach unter der Mittelarmlehne. Es öffnet und schleißt elektrisch - Aston Martin eben.

Der DB 11 ist vom Allerweltsauto ungefähr so weit entfernt wie Heidi Klum von Adipositas - aber genau das macht ihn zu einem Kunstwerk, dass selbst im Stand eine Ehrfurcht verströmt, die viele Coupes bei Vollgas nicht hinbekommen.

Seit Ende 2017 bietet Aston Martin den DB11, neben dem hauseigenen Zwölfzylinderaggregat, auch mit dem Vierliter-V8-Biturbo aus dem Mercedes-AMG C63S an. Serienmäßig gehen im DB11 510 PS mit einem satten Drehmoment von 675 Nm zu Werke. So ausgestattet ist es müßig über Fahrwerte und Beschleunigungswerte zu sprechen. Nur soviel: von Null auf Hundert vergehen im heckgetriebenen Aston Martin knapp vier Sekunden. Noch Fragen?

Im Vergleich zum 608 PS starken V12 ist der V8 in puncto Handling doch etwas leichtfüßiger und gutmütiger, denn die 115 Kilogramm weniger Gewicht machen sich positiv bemerkbar, obwohl der DB 11 kein Leichtgewicht ist. 1.760 Kilogramm müssen erst mal bewegt werden.

Mit 270 Liter Gepäckraum kann man schon mal das Wochenende zu zweit planen und muss nicht einmal beim Packen knausern.

Trotz seiner Länge und Breite ist der DB 11 übersichtlich und auch das Einparken ist dank Einparkautomatik und einer perfekten Rundumsicht durch mehrere Kameras spielerisch zu bewerkstelligen.

 

"Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, bei diesem Design sicher nicht. Zumindest ist das meine Überzeugung."

CR Christian Böhm.

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