Menü

Der letzte Cowboy

In Amerika scharrt schon der Nachfolger des Mustang mit den Hufen. Doch bis er nach Europa kommt, fließt noch viel Wasser die Donau runter. Derweil reiten wir mit einem der letzten automobilen Westernhelden aus.

Es gibt Dinge, die kommen niemals aus der Mode. Der klassische Westernfilm zum Beispiel. Spätestens seitdem diese Filmgattung ins Portfolio von Kino-Gott QuentinTarantino aufgenommen wurde, ist klar: Der Westen ist immer noch wild. Dafür sorgt der, zumindest im Film, nach wie vor omnipräsente Stereotyp des mürrischen, unrasierten Mannes hoch zu Ross, der auf Gepflogenheiten keinen Wert legt und Tabak kauend gen Sonnenuntergang verschwindet. Dabei sind solche Typen mittlerweile selten geworden - zumindest auf den heimischen Straßen. Längst herrschen Begriffe wie Downsizing, Normverbrauchsabgabe und Spritpreiserhöhung über das heimische Verkehrsgeschehen. Echte Originale, die wild, einzigartig und ungehobelt sind, kann man lange zwischen den Hybriden, E-Mobilen und grau-silber-schwarzen Uber-Autos suchen. Um die letzten Charakterdarsteller, die noch übrig gebliebenen Bad-Boys zu finden machen wir uns auf den Weg. Dabei geht es nicht wie erwartet richtung Westen, sondern an den östlichen Rand von Österreich. Nach ausgiebiger Recherche glauben wir hier, im burgenländischen Lucky Town, einen Blick auf einen der letzten Cowboys zu erhaschen. Wir werden fündig.

Quasi das automobile Äquivalent zum mundhaarmonikaspielenden Filmhelden aus der Prärie der USA ist der Ford Mustang - natürlich stilecht als GT mit Acht Zylindern. Er ist ein rauer Geselle, hält sich grundsätzlich nicht an Verhaltensvorschriften und durchbricht teilweise die Grenzen des guten Geschmacks. Kurzum: Er ist das komplette Gegenteil der deutschen Fahrzeugherstellung, die repräsentativ für die wohlerzogenen Mitteleuropäische Handwerkskunst steht. Der Mustang könnte vielleicht die heimliche Affäre zum Diesel-Passat in der Einfahrt sein, aber kaum einer traut sich, ihn als Hauptverkehrsmittel zu nutzen. Dafür ist er zu laut, zu ungehobelt und schlicht und einfach zu amerikanisch. Während man begleitet vom omnipräsenten V8-Gebrabbel durch die Innenstadt cruist, sieht man tatsächlich Personen, die sich kopfschüttelnd abwenden - nur um sich danach wieder umzudrehen. Dann werfen sie dem Pony-Car einen kurzen, aber umso begehrlicheren Blick zu. Zurecht, denn das sensationelle Design lässt einen genauso wenig kalt, wie der herrliche Sound. Die Klangvielfalt des Motors ähnelt dabei dem einer guten Compilation-CD. Der Fünfliter V8 blubbert im Stand, säuselt im Leerlauf und kreischt infernalisch, wenn er in die Nähe des Drehzahlbegrenzers gedreht wird.

Solche Drehzahlorgien beschrieben eigentlich den kompletten Wagen: Unvernünftig aber immens unterhaltsam. Der Motor selbst wirkt dabei allerdings nie angestrengt, braucht aber ob seiner Ausmaße doch einiges an Platz. So kommt es, dass ein Großteil der rund 4,80 Metern Außenlänge der Motorhaube zum Opfer fällt. Das sieht zwar toll aus, degradiert die zweite Sitzreihe aber zur Ablage für Jacken et cetera. Im Ernst, Erwachsene dort unterzubringen grenzt an Folter. Der beste Platz im amerikanischen Pferd ist aber sowieso der vorne links. Dort wird man nicht nur mit der Kontrolle über den Working-Class-Hero der Sportwagen verwöhnt, sondern auch mit einem Recaro-Sitz, der zwar aufpreispflichtig ist, aber passt wie eine zweite Haut. Darin gebettet wandert der Blick über das Armaturenbrett und man denkt sofort an die alte Bauernweisheit, wonach amerikanische Autos schlecht verarbeitet wären. Das stimmt so nicht - die Verarbeitung ist absolut in Ordnung. Die verwendeten Materialien sind es, die das Bild etwas trüben. Was aussieht wie Plastik, ist Plastik. Was aussieht wie Alu, ist Plastik. Und was aussieht wie Leder? Ist natürlich auch Plastik.

Das wirkt sich natürlich nicht auf die Fahreigenschaften aus - und die sind die besten, die ein Auto mit dem Pony im Grill jemals gehabt hat. Jetzt bitte nicht falsch verstehen, einen Porsche-Killer hat Ford aus seinem Coupe nicht gemacht, wohl aber einen direkt zu dirigierenden Sportler. Dank seines, wegen des schweren Motors obligat frontlastigen Gewichtsverteilung, scharrt das Pony auch gerne mit den Hufen - den hinteren. Das kann man allerdings noch viel einfacher provozieren. Dank des Menüpunkts "Vorderachssperre" wäre ein Burnout überall möglich - zum Beispiel während einer Rotphase, im Stau oder einfach während des Cruisens durch die Innenstadt. Man könnte fast von einem Burnout-Syndrom sprechen. Und genau hier landen wir wieder bei dem Dilemma, dass so etwas zu laut, zu ungehobelt und vor allem zu amerikanisch ist. Daraufhin schnaubt der Mustang einmal, macht eine Rockford-Wende, zeigt uns sein breites Hinterteil und fährt in Richtung Sonnenuntergang davon - wie ein Cowboy am Ende eines Western.

Ähnliche Artikel

Porsche Top-News,

Porsche Experience Center Hockenheimring eröffnet

Der Sportwagenhersteller Porsche hat im Rahmen des Festivals "Sportscar Together Day" sein weltweit siebtes Porsche Experience Center (PEC) am Hockenheimring eröffnet. mehr >

CMC Modelcars Lifestyle, Top-News,

Weihnachtsgeschenk für Liebhaber

Das lange Warten hat ein Ende. CMC Modelcars präsentiert den Mercedes-Benz 600 Pullman noch in diesem Jahr. mehr >

Porsche Modelle, Top-News,

Porsche erweitert die Modellpalette des Taycan

Neues Einstiegsmodell mit zwei Batteriegrößen und bis zu 463 Kilometer Reichweite nach WLTP. mehr >