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Der dritte Anlauf

Der Ford EcoSport konnte trotz regelrechten Klein-SUV-Booms keine echten Erfolge einfahren. Das zweite, sehr gründliche Facelift soll das ändern.

Der Trend zum kompakten SUV nimmt kein Ende. Immer, wenn der Zenit erreicht scheint, explodieren die Zulassungszahlen in diesem Segment erneut. Den Grundstein dafür legten Anfang der 2000er die Asphaltschiffe à la BMW X5 und Porsche Cheyenne. Seit dem schrumpfen die hochgelegten Autos, die schon lange keine Geländefahrzeuge mehr sein wollen. Der nächste Aufschwung galt den SUV der Größenordnung VW Tiguan, Ford Kuga und Mazda CX-5. Um aktuell auf dem Vormarsch zu sein, braucht es noch ein wenig mehr Kompaktheit. In die Höhe gewachsene Varianten von Kleinwagen verkaufen sich wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Die großen Hersteller überhäufen den Markt mit Klein-SUV, bevor der Zug abgefahren ist und sich der nächste Trend anbahnt. Je früher man sich als Hersteller dort positioniert, desto größer ist das Stück vom Kuchen. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Diese unfreiwillige Ausnahme ist der Ford EcoSport. Zeitig wie kein anderer setzte er auf das Segment der Schrumpf-SUV, wurde aber zumindest hierzulande nie mit herausragenden Verkaufszahlen oder überschwänglich positiver Fachkritik belohnt. Die Gründe dafür finden wir vor allem beim bisherigen Herkunftsland: Indien. Für den dortigen Markt konzipiert, konnte er uns verwöhnte Mitteleuropäer nicht überzeugen. Die Materialien waren - gelinde gesagt - schlicht, das Fahrverhalten ganz Markenuntypisch unzureichend und das Design mit dem außen platzierten Ersatzrad gewöhnungsbedürftig. Letzteres fiel einem Facelift zum Opfer, das der Baureihe aber auch keinen sonderlichen Aufschwung brachte. Das soll sich jetzt alles ändern: Mit der jüngsten Überarbeitung, die sich schon fast Modellwechsel nennen darf, bürgert Ford seinen Zwergen-SUV ein.

Die Fertigung wurde nach Osteuropa verlegt, die Optik der aktuellen Ford-Designsprache angepasst und die Antriebsmöglichkeiten um eine Allrad-Option erweitert. Auf einmal kommt uns ein leises "na da schau her" über die Lippen. Wenn man jetzt hinter dem Volant Platz nimmt, schweift der Blick nicht mehr über die zerklüftete Hartplastiklandschaft von einst. Das Interieur erinnert sehr stark an den ebenfalls neuen Markenbruder Fiesta. Die Materialqualität hat sich um Welten verbessert und auch die Bedienbarkeit hat an Logik gewonnen. In der getesteten ST-Line, die innen mit schönen Ziernähten, Sportlenkrad und großem Infotainmentsystem mit Touchscreen lockt, kann man auch wunderbar in den Alcantarasesseln lümmeln. Dabei kann man sich vom unerwartet guten Bang&Olufsen Soundsystem die Ohren massieren lassen.

Aber auch von außen verspricht der kleine Ford einen ordentlichen Schuss Sportsgeist. Schwarz abgesetztes Dach, Dachkantenspoiler und Seitenschweller schmücken den Ecosport nicht zu Unrecht. Die direkte Lenkung und der kraftvolle Dreizylinder machen einfach Freude, obwohl der Motor die Vorderreifen hie und da überfordert. Die schlauere Wahl wäre vermutlich die 125 PS-Variante. Schlauer und vielseitiger, denn die gibt es auch mit Automatikgetriebe. Der Allradantrieb ist dem Diesel vorbehalten. Dabei stünde gerade dem getesteten 140-PS-Benziner eine unterstützende Hinterachse nicht schlecht. Der Dreizylinder arbeitet so kraftvoll, dass die Vorderreifen besonders beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven ein bisschen überfordert wirken. Das tut dem Fahrspaß aber nur wenig Abbruch. Dank des markentypisch sehr knackigen Fahrwerks lässt sich der kleine Ford ungewohnt sportlich bewegen - trotz des hohen Aufbaus. Den hat er allerdings nicht ohne Grund, denn dieser ist für die praktischen Talente des EcoSport unerlässlich. So geht es trotz hoch montierter Sitze ordentlich luftig überm Scheitel zu. Knausrig ist der kleine Ford auch nicht mit dem Kofferraum.

Charakterisitsch für den Ecosport ist allerdings, wie man die knapp 360 Liter entehrt. Die Kofferraumtüre geht nämlich zur Seite hin auf - eine Reminiszenz an das nicht mehr verbaute Ersatzrad. Angenehm dabei ist, dass die Ladekante schön niedrig bleibt. Trotzdem: So richtig praktisch ist es nicht. Apropos unpraktische Klappe: Von der Ford-Krankheit der nicht absperrbaren Tankklappe ist auch der EcoSport betroffen. Diese Kleinigkeit soll aber den Sprung nach vorne, den der EcoSport im dritten Anlauf gemacht hat, nicht schmälern.

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