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Hilfe aus der Luft

Wir haben einen Tag lang mit dem Team des Christophorus 2 verbracht. Was die Risiken für die Flugretter sind, welche Fähigkeiten sie mitbringen müssen und was die Nacht vom Tag unterscheidet, hat Andreas Reinsperger recherchiert.

Wir sitzen gemütlich am Stützpunkt des Christophorus 2 in Gneixendorf bei Krems bei einem Kaffee, während ein Alarmgeräusch das Gespräch unterbricht. Rund um mich Flugretter Robert Huber, Pilot Günter Gasslinger und die Notfallärztin Gabriele Golling. Auch die Flugrettungs-App schlägt Alarm. Die Ärztin checkt die ersten Einsatzdetails schon am Smartphone. Innerhalb weniger Sekunden steht das Team vor einem riesigen Bildschirm, an dem Wetter, ein Google-Earth-Bild des Unfallortes und weitere Informationen dargestellt werden. Es sind nur wenige Augenblicke, danach werden Jacken angezogen, der Pilot startet den Hubschrauber. Niemand läuft, keiner hudelt, jeder weiß genau, was zu tun ist. Nur zwei Minuten nach Eingang des Notrufs ist der Hubschrauber in der Luft.

"Es kommt manchmal vor, dass in einer Minute das Essen fertig wäre, aber wenn ein Notruf reinkommt", sagt Huber, "dann hat man halt Pech gehabt." Aber er ist jeden Tag froh, seine Berufung zum Beruf gemacht zu haben. Der Rest des Teams stimmt dem zu. Besonders Gasslinger freut sich, dass er sein Hobby, das Fliegen, sinnvoll nutzen kann. Meine drei Gesprächspartner gehören allesamt schon zu den Erfahreneren bei der Flugrettung, sind zum Teil schon 25 Jahre dabei. Golling betont aber, dass auch Neueinsteiger bei der Flugrettung Erfahrung mitbringen müssen. Man braucht eine gewisse Routine, damit sich das Team auch komplett auf einen verlassen kann. Dazu zählen auch ständige Fortbildungen, Simulatorchecks und Tests. Obwohl selten die selben Konstellationen zustande kommen, ist jedes Team eingespielt. Man merkt, dass es zu einem Teil auch Automatismus ist, die solche Einsätze überhaupt erst möglich macht. "Man versucht natürlich, alle gleichbleibenden Handlungen abzugleichen. Aber jeder Einsatz ist anders", meint Golling dazu und fügt an: "Ja, man wird mit der Zeit abgeklärt, aber niemals abgebrüht."

Die große Besonderheit am Christophorus 2 ist aber seine Einsatzzeit: Rund um die Uhr. Damit ist er der einzige der gelben Helikopter, die auch in der Nacht fliegen. Der Nachtflug an sich birgt ganz eigene Risiken. Ein Beispiel sind Eisenstäbe, die zur Grundstücksabgrenzung in den Boden geschlagen werden, schwer zu sehen und bei der Landung gefährlich sind. Erschwerend kommt noch die eingeschränkte Sicht durch das Nachtsichtgerät dazu. In solchen Fällen unterstützt der Flugretter den Piloten. Generell ist er nicht nur Flugretter, sondern auch Co-Pilot, sagt Huber. Der große Unterschied zum Tagflug ist, neben der Sicht, der erweiterte Umkreis. "Da wir die einzigen sind, die in der Nacht fliegen, müssen wir auch ein größeres Gebiet abdecken", sagt Gasslinger. Der Radius erstreckt sich von Krems bis nach Hainburg. Außerdem ist der Stützpunkt bei Krems der einzige, der auch über ein Auto verfügt. Wenn das Wetter zu schlecht für einen Flugeinsatz ist, ist die Notversorgung trotzdem sichergestellt.

Beim Hubschraubereinsatz gibt es aber ein weiteres Ärgernis: Anrainer. "Muss das sein, dass der laute Hubschrauber kommt?", ist noch einer der freundlicheren Kommentare, die der Flugrettung gerne an den Kopf geworfen wird. An dieser Stelle sei gesagt: "Ja, es ist nötig, sonst würde er nicht kommen." Insgesamt 1.356 Mal war der Christophorus 2 alleine 2017 unterwegs, also 3,7 Mal am Tag. Tendenz für heuer: steigend.

Der Christophorus Flugrettungsverein wurde 1983 von Kurt Noe Nordberg gegründet. Die ersten Helikopter standen in Innsbruck (Christophorus 1) und Krems (Christophorus 2). Knapp zwei Jahre später wurde ein bundesweiter Einsatz beschlossen. Insgesamt 16 Christophorus Stützpunkte gibt es in Österreich, in Wien steht übrigens die Nummer 9. Insgesamt 18.251 Einsätze werden im Jahr geflogen. Mit 36 Prozent sind davon die meisten internistischer Natur, Sport- und Freizeitunfälle machen rund 12 Prozent der Einsätze aus, Autounfälle weniger als 10. Die Christophorus Flugrettung ist keine ÖAMTC Mitgliedsleistung, für jede Person in Not zugänglich und wird von den Bundesländern und Spenden finanziert.

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