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French Connection

Peugeot 308 GTi und Renault Megane RS geben sich ein französisch, sportliches Stelldichein. Sie sind sich auf dem Papier zwar sehr ähnlich, aber es trennt sie mehr als sie eint.

Wenn man an Auto-Frankreich denkt, schießen einen relativ schnell die butterweich gefederten Limousinen der 60er in den Sinn. Auch die legendäre „Ente“ ist noch lange nicht vergessen, der Bezug der „Grande Nation“ zu Sportwagen will aber nicht wirklich aufkeimen. Dafür ist der Nachbar Italien zuständig. Wirklich? Nein, denn sobald man seinen Horizont über flache Flundern mit horrenden Leistungsangaben hin zu wahren Fahrspaßgranaten erweitert, treten die Franzosen sehr wohl auf den Schirm. Hot-Hatches noch und nöcher, große Motoren in kleine Autos und komplett verrückte Kleinwagen-Mittelmotor-Kreationen ála Renault Clio V6 und Peugeot 205 Turbo lassen Benzinbrüder in Erinnerungen schwelgen.

Farben und Formen

Bei uns treten zwar nicht die direkten Nachfahren der Kleinwagenraketen, wohl aber deren große Brüder an. Beide sind durch und durch französisch, praktisch fünftürig und frontgetrieben. Außerdem geben sie dem in diesem Segment an und für sich obligaten Zweiliter einen Korb und verzichten auf den ein, oder anderen Kubikzentimeter. So ähnlich sich die Eckpunkte der beiden Franzmänner lesen, so unterschiedlich sind sie in den jeweiligen Charakterfragen. Beginnen wir mit dem Renault, dessen Signalfarbe gleich Assoziationen zum Formel 1-Team erzeugt. Im Vergleich zum braven Basis-Bruder hat der Sportler deutlich an Breite zugelegt. Die ausgestellten Radhäuser geben dem Megane nicht nur Extrapunkte in Sachen Optik, sie sorgen auch für genügend Platz für die großen Räder. Die vorderen Kotflügel beherbergen außerdem einen Luftschlitz, der cool aussieht. An der Front erkennt man den sportlichen Renault am mittlerweile obligatorischen F1-Schwert im Lufteinlass, das Heck dominiert vor allem der überdimensionale Diffusor und die zentrale Abgasanlage.

Da ist der Peugeot schon deutlich dezenter. Auch er trägt sportliche Insignien, fällt aber bei weitem nicht so auf – trotz seiner Zweifarb-Lackierung. Der 308 verzichtet auf Breitbau und Aufmerksamkeitshascherei, fällt Kennern aber durch die vergrößerten Lufteinlässe sowie die großen Endrohre links und rechts auf. Zudem darf er den Markenschriftzug an der Front in Rot tragen, genau wie die GTi Embleme. Wer übrigens ob der Bezeichnung entrüstet ist und meint, die haben die Franzosen vom schnellen VW Golf kopiert, dem sei gesagt, dass auch die Wolfsburger den Namen GTI gemopst haben – von Maserati, wo es bereits 1962 den 3500 GTI gab.

Platz und Nutz

Auch wenn es hier in erster Linie um den Spaß geht, nehmen wir die Maße. Da der Megane sich die Plattform mit dem Espace teilt, darf er sich um ein Atzerl mehr Innenraumbreite freuen. Beengt wird es aber in keinem der beiden Gallier. Erwähnenswert ist aber, dass der Peugeot trotz zehn Zentimeter weniger Außenlänge über einen ähnlich großen Kofferraum verfügt. Auch die Beinfreiheit im Fond ist ausgeglichen.

Motor und Antrieb

Beide Motoren sind alte bekannte, wobei das Aggregat des Renault zwar neuer, aber nicht zwingend moderner ist. Der 1.8 Liter verrichtet seinen Dienst ebenfalls im Espace und in der Neuauflage der Alpine. Im Megane ist er aber in Bestform, darf 280 Pferde aus seinen Brennräumen kitzeln. Außerdem kommen 390 Newtonmeter bei den Vorderrädern an, die sich in Folge dessen gerne mit Rauchzeichen melden. In unserem Testwagen war ein 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe verbaut, dass wirklich gut mit dem Motor harmoniert. Der Vierzylinder ist ein Prachtaggregat, liefert Schub auf Abruf und Leistung in jeder Lebenslage. Zudem klingt der Renault herrlich, sprotzelt, knurrt und knallt aus dem Auspuff, dass es eine Freude ist. Ganz anders, und vor allem leiser, der Peugeot: Sein 1,6 Liter Vierzylinder war in ähnlicher Form schon im Mini Cooper Works und manchen BMWs zu finden. Aufgeblüht ist er aber erst im seeligen RCZr. Der Sechzehnhunderter fährt sich sehniger, verlangt mehr Schaltarbeit. Der GTi fährt sich ein Bisschen wie ein Sportler alter Schule, was zwei Gründe hat. Zum einen ist er, salopp gesagt, ein alter Bock – der 308 der zweiten Generation wurde 2013 vorgestellt. Zum anderen ist diese oldschoolige Abstimmung ganz nach dem Geschmack seiner Zielgruppe. Er ist ehrlicher, anstrengender aber auch direkter als sein Kontrahent. So wird die Motorcharakteristik ein Abziehbild der jeweiligen Optik.

Fahren und Fühlen

Beide Franzosen lassen sich mit aller Freude um die Ecken schmeißen. Der Peugeot punktet durch seinen kürzeren Radstand und das kleine Lenkrad, der Renault lässt seine Hinterachse mitlenken. Keiner der beiden nervt mit Untersteuern und bleiben lange neutral. Etwas härter ist der Peugeot, wobei er noch immer einen ordentlichen Restkomfort bietet. Das Renault-Fahrwerk arbeitet mit einem hydraulischem Endanschlag, also einem Dämpfer im Dämpfer. So ist auch er sportlich, aber nicht zu hart abgestimmt. Wer unmittelbarer über die Beschaffenheit des Asphalts informiert werden möchte, nimmt das optionale Cup-Paket. Quirliger fährt sich der 308 GTi, nicht zuletzt ob seines Gewichtsvorteils. Ganze 160 Kilogramm bringt er weniger auf die Waage als der Megane. Das beweist, dass so viel Hightech nicht nur Licht, sondern auch Schatten hat. Die jeweilige Querdynamik lässt sich wohl am besten so darstellen: Während der Peugeot der ideale Partner für Autoslalom und den kleinen Kurs am Sachsenring, mit dem Renault nimmt man lieber die Nordschleife in Angriff.

Unterm Strich

So ähnlich und doch so verschieden. Renault Megane RS und Peugeot 308 GTi machen beide extrem viel Spaß, aber auf vollkommen andere Weise. Der Renault ist in diesem Vergleich der Hightech-Sportler, der mit hydraulischem Endanschlag und Allradlenkung überzeugen kann, aber auch viel massiger wirkt. Der Peugeot zeigt Mut zum Extravaganten im Innenraum und erinnert damit teilweise an die Bemühungen Lancias, mehr Farbe ins ewige Grau der Cockpits zu bringen. Außerdem überzeugt er als drahtiger Sportler, der zu seinem Turboloch steht, nicht aber zu seinem Alter. Denn das sieht man ihm wirklich nicht an.

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