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Tagebuch

von Willy Konecny

12. Oktober 2011

Zurückblickend...sieht die Zukunft rosig aus.

Die Sache mit dem Y-Chromosom oder Ein „Mann man“-Gedankenspiel.

Tagebucheintragungen:

1996: Man ist Halbstark und findet sich echt cool - besonders wenn man hinter dem Steuer eines PKWs sitzt. Und ist das Auto auch noch so schwach – ein Ampelquietscherl geht immer. Unvernünftig, unbefangen und unerfahren – lautet das Motto.

1998: Man ist nun noch selbstbewusster. Man denk, man kann alles und ist unbesiegbar.

2000: Man hat mehr Erfahrung und traut sich nun alles zu. Irgendwie will sich die Vernunft nicht einstellen.

2004: Man hat bis jetzt überlebt, ohne bei sich oder jemand anderen gröberen Schaden angerichtet zu haben. Man wird ein Quäntchen ruhiger.

2006: Man macht erste Erfahrungen auf Rennstrecken. Man tastet sich an echte Grenzen.

2009: Man hat wieder einiges mehr erlebt. Man ist nun schnell, aber kalkuliert das Risiko fast immer richtig. Etwas mehr Ruhe kehrt ein, die Pubertät ist aber noch nicht zur Gänze überwunden.

2010: Man macht sich zum ersten Mal Gedanken zum Thema Spritsparen. Ein Umdenkprozess nimmt seinen Lauf.

2011: Man findet plötzlich gefallen an der Hybridtechnik. Die Automobile-Sportlichkeit verliert an Reiz. Harte Fahrwerke werden zum ersten Mal registriert und als ungemütlich empfunden. Man nimmt plötzlich auch Pensionisten- und Familienmodelle wahr und findet sie gar nicht mal so schlecht. Das Umdenken findet aktiv statt, aber auch unterbewusst dürfte sich mit voranschreitendem Alter eine Menge tun. Man macht sich Gedanken zur Heirat und Vaterschaft.

2011 (später): Man kippt richtig ins Spritsparen, ins Praktische, ins Familientaugliche, ins Gemütliche. Man wird im Bekanntenkreis schon als PPB (Prius-Pensionisten-Boy) tituliert. Irgendwie stört das aber nicht. Man trennt den Müll nun noch penibler, wechselt zum Ökostromanbieter und übt sich im „bewussten Leben“.

2011 (noch später): Man bekommt die Gelegenheit einen Rennwagen mit Straßenzulassung zu pilotieren. Der „Erwachsene“ wird zur Seite gedrängt. Man macht mental einen Sprung zurück ins Jahr 2000. Man will es wissen. Einen halben Tag hat man sich schon zusammengerissen, doch dann endet die Ortschaft und eine leichte Rechtskurve am Kukuruzfeld führt ins Freie. Staubig rutschiger Asphalt und ein übermotivierter Gasfuß vertragen sich an dieser Stelle aber nicht. Einen Wimpernschlag später steht man im Kukuruz. Man zählt die abgeernteten Kolben im Karbonkörbchen und blickt geknickt auf den ramponierten Wegweiser. Man fühlt sich nicht gut. Zwar hat man nichts abbekommen, aber man nötigte den Flitzer sich von schicken Plastikteilen zu verabschieden. Man hadert mit seiner eigenen Blödheit. In einem stillen Moment denk man nach und sieht sich mit der zuvor eingeschlagenen Richtung zur Ruhe und Ausgeglichenheit am richtigen Weg. Ein Wertewandel macht sich bewusst. Man will nicht mehr der Schnellste und Beste sein, man will möglichst sicher und „umweltbewusst“ mit seinen Liebsten unterwegs sein. Und irgendwie waren Familien-Kombis und Einstiegsmotorisierungen noch nie so attraktiv. Man fühlt sich wohl mit dieser Einstellung und das ist auch wichtig, denn ein Umdenken kann man nicht erzwingen. Es muss in einem selber keimen und in Wohlwollen erblühen.

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