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- Bewusstseinserweiternd
- Porsche Cayenne Turbo: Schwergewichts-Meister
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- Autosalon: Girls, Handy-Kameras und .... achja Autos.
Tagebuch
von Johannes Böhm
Porsche Cayenne Turbo: Schwergewichts-Meister
500 PS und 700 Nm nehmen ja bekanntlich auch 2,1 Tonnen auf die leichte Schulter. Erfahrungen aus dem Porsche-Alltag an Bord des Cayenne Turbo, der meine Geschmacksnerven mächtig durcheinander wirbelte.
Die Optik ist zweifelsfrei schnittiger, die Erscheinung somit weniger nahrhaft und die Wirkung des großen SUV harmoniert nun besser mit dem sportlichen Hausbrauch der Marke Porsche. Aber: Der Cayenne ist auch nach knapp zehn Lebensjahren noch eine Gradwanderung des Geschmacks. Rechtfertigungs-Floskeln sind daher, im Gegensatz zu einem Reserverad dank Run-Flat-Technologie, stets mitzuführen. Meinungen driften apart und der Cayenne scheint Ansichten zu beflügeln. Dabei hat Porsche bei der Überarbeitung des Cayenne seine Markenwerte mit größerer Sorgfalt behandelt. Der Cayenne hat dennoch kein leichtes Leben, denn mit 2,1 Tonnen Lebendgewicht hat er sowohl mit der Ökologie zu kämpfen als auch seine Probleme mit Rennstrecken. Dabei resultiert das Gewicht einer gezielten Leichtbau-Strategie. Die Allrad-Hardware wurde unter anderem abgerüstet. So gibt es zum Beispiel kein Untersetzungsgetriebe und keine mechanischen Sperren mehr. Unterm Strich kann sich die Leichtbauernte zwar sehen lassen, mit 2,1 Tonnen Leergewicht erscheint der Begriff Leichtbau trotzdem deplatziert.
Dies tut jedoch an Bord des Turbo wenig zur Sache. Das Topmodell serviert 500 PS und 700 Nm ab 2.250 U/min und der V8-Doppelturbo gibt sich alle Mühe die Porsche-Fahne hart in den Wind zu stellen. Die geballten Antriebskräfte scheinen das Fahrbankett zu entwurzeln und gleichzeitig zu zerbröseln. Immerhin wird der klassische Sprint aus dem Stand auf Tempo mit 4,7 Sekunden beziffert, was gelinde gesagt utopisch klingt. Und sich noch deutlich utopischer anfühlt. Die Elektronik sorgt sich um die Antriebsverteilung und um bestmöglichen Fahrbahnkontakt. Zudem mühen sich aktive Wankstabilisierung PDCC, eine adaptive Luftfederung sowie die variable Antriebsmomentverteilung an der Hinterachse, den 1,70 Meter hohen Porsche die Handling-Wirksamkeit eines 911ers zu spendieren. Mit überraschendem Ergebnis. Der Cayenne Turbo krallt sich in den Asphalt, wirft sich mit geringster Seitenneigung engagiert in engste Kurven und saugt sich dabei effizient ans Kurveninnere. Nur eine ordentliche Portion Mut sollte mit an Bord sein, den Cayenne mit ensprechender Gaspedalstellung ums Eck zu werfen. 2,1 Tonnen sind schließlich 2,1 Tonnen.
Bei gestrecktem Gasfuß brodelt es mächtig aus dem Hinterabteil und jeder Schaltvorgang der Achtgangautomatik, ob manuell oder automatisch, wird schnaubend und röhrend bekundet. Der V8-Doppelturbo mit 4,8 Litern Hubraum klingt wie er zu klingen hat: rau und ungezügelt. Nur die Schalttasten am Lenkrad zaubern uns Falten aufs Vorderhaupt. Die Logik dieser Doppel-Funktionstasten erschließen sich einfach nicht. Und dass Porsche für klassische Schaltpaddles Aufpreis verlangt ist ein Affron. Jedenfalls braucht sich der Cayenne Turbo beim Kapitel Fahrspaß nicht zu verstecken. Dass jedoch ein ordentliches Bröckerl beschleunigt und verzögert wird, offenbart die Tanknadel unverblühmt. Der Normwert von 11,5 Litern im Durchschnitt ist unerreichbar. Eine erfrischende Fahrt durchs Grüne ergibt 15 l/100km und wer in den Hafer sticht, jaukt auch gern mal mehr als 20 Liter aus dem Auspuff.
In allen übrigen Situationen lässt sich befehligen ob der Cayenne Turbo härter oder weicher abfedert, ober wie vehement das Getriebe seine Arbeit pflegt. Dank Luftfederung ist der Komfort auch trotz der Riesenräder ganz ordentlich. Mit dem Fahrkomfort einer Luxuslimousine kann der Cayenne aber nicht mithalten. Es bleibt die Frage nach dem Sinn. Im Grunde wurde der Cayenne (erste Generation) als waschechter Geländewagen konzipiert und bewies dies auch des Öfteren. Die zweite, aktuelle Generation des Cayenne wurde nun der Offroad-Technik für den Geländeeinsatz beraubt um Gewicht zu sparen und um sich dem Lebensraum Asphalt sportlicher zu nähern. So bleibt das Gefühl zurück, dass der Cayenne zwar viele Jobs gleichzeitig erledigt, aber keine mit Bravour meistert – das Schicksal der Gattung SUV, das übrigens auch Porsche nicht vollends in Luft aufzulösen vermag...
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