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Tagebuch

von Johannes Böhm

22. September 2010

Auf Kaisers Spuren...

Wir sattelten den knuddeligen Fiat 500 Cabriolet, pilgerten ins Herz des Salzkammerguts und, nun ja, wurden vom eifrig getränkten Kaiserflair "überwältigt".

Bad Ischl, das ist Idylle pur. Klare Luft, gemalte Landschaften wie aus einem Bilderbuch, schöne Häuschen, viel Wald, blitzblaue Seen und die dazu passenden Touristen komplettieren den kitschigen Auflauf. Mittendrin, zwei Motorjournalisten, Rainer Behounek und meine Wenigkeit. Jung und unerfahren - zumindest was Bad Ischl betrifft.

Gestartet bei Sonnenschein, tunkte sich Bad Ischl derweil in tiefe Regenwolken, die Digitalkamera bleibt also in der Tasche, das Dach des Fiat 500C geschlossen und wir suchen uns Beschäftigung. Schreiten also erstmals blauäugig durchs Bad Ischler, von Touristen im gesetzten Alter gesäumten, Zentrum und verabreden uns mit einer erfrischend motivierten Dame des Tourismusverbandes. Keine zehn Minuten später sind wir felsenfest davon überzeugt, den Kaiser selbst hier anzutreffen. Die Versuche der Bad Ischler das kaiserliche Pärchen Jahr für Jahr aus der Wiener Kapuzinergruft nach Bad Ischl zu locken sind bemerkenswert. Kaiser oder Sisi, das sind allgegenwärtige Schlagworte. Fotos aus der Kaiserzeit finden sich übrigens auch in der Dorfdisco, wo Hits die Hits der 90er mit Kaiser Bart korrelieren. Eins nach dem anderen.

Der erste Weg führt natürlich zur Kaiservilla. Kitsch in Perfektion und so lebendig wie seinerzeit. Busladungen voller Japaner geben sich hier die Klinke in die Hand, schreiten emsig die zur Hälfte zugängliche Villa ab und der eine oder andere zählt auch die zigtausenden Jagdtrophän des Kaisers. Serviert wird auch das beklemmende Gefühl eines Kaiserpärchens im Strudel der Etikette gefangen zu sein und schlussendlich sehr eigenartige Gegenstrategien zu entwickeln. Franz Joseph war bereits um fünf hellwach um zur Jagd aufzubrechen und Sisi turnte und hungerte wie eine Verrückte.

Hier hat mich auch der Geistesblitz getroffen um die Cabriotour artgerecht abzulichten. Der Tourismusverband selbst entsendet zu besonderen Veranstaltungen eine junge Sisi und einen ergrauten Franz Joseph - ja das Klischee gehört genährt. Ganz so sehr wollten wir es dann auch wieder nicht. Sisi ja, Franz nein. Ich hab ja meinen Franz dabei. Bis dahin wusste Rainer noch nicht, dass er eigentlich Franz ist. Er war auch nicht wirklich glücklicher als er erfuhr, wer er nun eigentlich ist. Er stellte sich der Herausforderung und entgegnete der kaiserlichen Herausforderung mit Humor. Selbst als wir ein Trachtengeschäft aufsuchen und von einer reschen Dame in adäquate Kleider gehüllt werden. Kaiser Franz ließ sich nämlich in Bad Ischl nur in klassischer Tracht blicken. Ein Umstand, der uns sozusagen in die Hände spielte und unser Rainer im Endeffekt dem jungen Kaiser zum Verwechseln ähnlich schaute.

Das Wetter meinte es ebenfalls gut mit uns am nächsten Morgen. Mit poliertem Fiat 500C, einem unrasierten Franz und einer perfekt aufgemöbelten Sisi ging´s hinauf zur Kaiservilla...
Nicht hoch zu Ross oder in der Kutsche, sondern mit geöffnetem Stoffverdeck. Sehr zur Freude der bereits in ansprechender Zahl vorhandenen Touristen, die uns teilweise als kostenlose Showeinlage zu verstehen glaubten. Japaner knipsten, viele glotzten und manche erkundigten sich...

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