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15. März 2002

Volvo S60 AWD

Volvo S60 AWD

Volvo hat für die Sportlimousine S60 zusammen mit der Firma Haldex ein neues Allradsystem entwickelt. Für den absoluten Wintertest verschlug es uns bis zum Nordkap bei Minus 39 Grad Celsius.

Wenn die ersten Schneeflocken vom Himmel fallen und Autos mit Sommerreifen in den Straßengräben stecken, ist es wieder einmal so weit. Der Winter beehrt uns und stellt die Autofahrer vor spezielle Herausforderungen. Schnee und Nebel bedecken die Straßen, und Eis haftet ungewollt auf den Scheiben der Autos. So zumindest stellt sich der Handel den perfekten Winter vor. Leute kaufen in Scharen die teuersten Winterreifen und die neuesten Enteiser-Mittelchen, der Eine oder Andere natürlich auch die neuesten Allradkreationen der Autohersteller. Warum aber denkt man nur im Winter an Allradantrieb und im Sommer immer nur an Cabrios? Das weiß ich leider auch nicht. Ich weiß allerdings, daß Volvo in seine sportliche Limousine S60 ein neues Allradsystem eingepflanzt hat. Bekanntermaßen kleben bei den Vierrad-Volvos die Buchstaben AWD am Heck. Das steht übrigens für All Wheel Drive. Das wissen Sie schon, denn so kennzeichnet Volvo seine Allradler schon des längeren. Speziell für die Sportlimousine tüftelten die Volvo-Techniker zusammen mit den klugen Köpfen der schwedischen Firma Haldex, die auch andere Hersteller mit Allradbauteilen beliefert, etwas ganz Feines. Eine elektronisch gesteuerte Haldexkupplung, die sozusagen mit der Bordelektronik kommuniziert, und je nach Bedarf die Antriebskraft blitzschnell verteilt. Soviel zur trockenen Theorie.

Die S60 haben allesamt keine Henderlbrust. Der Schwächste leistet bereits 130 PS, und der Motorenspagat reicht über einen 163 PS Turbodiesel bis zum 250 PS Turbobenziner. Beim Allrad-S60 ist die Wahl der Motorisierung trotzdem kinderleicht. Die Schweden lassen uns nämlich für den AWD die Wahl zwischen 200 PS mit manuellem und 200 PS mit automatischem Getriebe offen. Dieser Softturbo Fünfzylinder Benziner ist ein wahrer Musterschüler. Der Abgasturbolader drückt die Luft nur mit geringem Überdruck in die Brennräume, und das garantiert einen besonders gleichmäßigen Drehmomentverlauf und eine sanfte Kraftentfaltung. Die maximale Kraft liegt praktisch bei jeder Drehzahl auf Abruf bereit, und ein Turboloch kennt dieser Motor nur vom Hörensagen. Der perfekte Partner für dieses Elastizitätswunder ist deswegen nicht nur unter uns gesagt eindeutig das Fünfgang-Automatikgetriebe. Wäre da nicht der saftige Aufpreis von ¤ 2.900,- für den Automaten. Dafür schaltet das Getriebe seidenweich bis zur höchsten Stufe und animiert uns zum sanften Gleiten. Hügelige Straßenabschnitte kompensiert der starke Motor mit Leichtigkeit, und nichts scheint die Steuerung des Getriebes aus der Ruhe zu bringen. Naja, fast nichts, denn ein nervöser Motorjournalist am Pilotensitz kann die ersten Serpentinen schon gar nicht mehr erwarten. Jetzt empfiehlt es sich, den Automatikhebel nach links zu drücken, um das Geartronic-System zu aktivieren. Dabei besteht die Möglichkeit, in einer sequenziellen Schaltgasse die Gangwahl manuell vorzugeben. Ab 4.000 U/min geht der Motor richtig zur Sache und nichts bleibt mehr vom sanften Gemüt übrig. Ein Ohrenschmaus ist ebenso der dezente Klang der fünf Heferln. Bis zur 7.000er Grenze dreht der Motor, und dann genügt es, den Hebel kurz nach vorne zu drücken um in den nächsten Gang zu wechseln.

Aber einen allradgetriebenen Schweden nicht im Schnee zu testen, ist so, als würde man im hohen Norden vergessen, einen Lachs zu essen. So lud Volvo kurzerhand nach Norwegen zum absoluten Härtetest, denn in unseren Breitengraden ließ uns der Winter bekanntlich im Stich. Von der norwegischen Stadt Alta fuhr die S60-Kolonne mehr als 250 Kilometer auf eisigen Pisten direkt bis zum Nordkap. Streufahrzeuge sind auf diesen Straßen ebenso selten anzutreffen wie verirrte Fußgänger. Was bei Minus 39 Grad Außentemperatur mehr als logisch erscheint. Auch bei diesen Witterungen sprang der Motor mustergültig an, und den spiegelglatten Straßen wurden wir mit Spike-Winterreifen Herr. Die eiskalten Schweden erwärmten sich schneller als jede Sauna, und bereits nach wenigen Minuten umgab uns das Gefühl wohliger Wärme. Nicht zuletzt dank der ausgezeichneten Sitzheizung. Nach der aufregenden und beeindruckenden Reise zum Nordkap überraschten uns die Volvo-Mannen zusätzlich mit einem Handling-Kurs der besonderen Art. Auf einem zugefrorenen See, der so glatt wie eine Eislaufbahn war, konnten wir ohne Gefahr das Fahrverhalten auf Herz und Nieren austesten. Aus jeder noch so engen Kurve beschleunigt der S60 wieselflink heraus und folgt immer willig den Lenkbewegungen des Fahrers. Schieben und Schleudern gehören der Vergangenheit an. Nicht zuletzt dank der elektronischen Beifahrer. Das Stabilitätsprogramm DSTC überwacht den Grenzbereich und unterstützt notfalls den Fahrer. Ein weiterer virtueller Beifahrer ist der Bremsassistent EBA. Dieser erhöht bei Vollbremsungen selbstständig den Bremsdruck, und verringert so den Bremsweg. Überragende Traktionseigenschaften und enorme Sicherheitsreserven lautet nun das Ergebnis nach unserem Testprogramm der besonderen Art.

Wohl bekannt und komfortabel ist der Innenraum. Jedes Platznehmen in den Sportsitzen ist ein Hochgenuß. Außerdem erlauben zahlreiche Verstellmöglichkeiten eine perfekte Anpassung für Fahrer und Beifahrer. Im Fond dürften nur sehr große Menschen Probleme mit der Beinfreiheit haben. Die Kopffreiheit ist für die Coupé-artige Karosserieform ausreichend. Der Kofferraum faßt 424 Liter, und bei Bedarf kann die Sitzbank vom Kofferraum aus (!) umgeklappt werden. So klettert das Ladevolumen auf mehr als 1.000 Liter. Die kleine Luke des Kofferraums läßt allerdings Gepäckstücke oftmals in den weiten des Kofferraums verschwinden. Als Lösung bietet Volvo zahlreiche Schmanklern wie Gepäcknetze oder ein elastisches Band zur Fixierung von Einkaufstaschen an. Johannes Böhm

Volvo S60 AWD

Das neue Allradsystem AWD macht den Schweden noch sportlicher und sicherer.

Technische Daten

Motor: Fünfzylinder Ottomotor mit Abgasturbolader

Hubraum: 2.435 ccm

max. Leistung: 200 PS

max. Drehmoment: 285 Nm ab 1.980 U/min

Fahrleistungen: 0-100 km/h in 8,5 sek.,

v-max: 225 km/h

Testverbrauch: 10,1 l/100 km

Preis des Testwagens: Eur 41.100,-

 

Bewertung
Design sternsternsternsternkein stern
Serienausstattung sternsternsternsternkein stern
Fahrverhalten sternsternsternsternstern
Fahrleistung sternsternsternsternkein stern
Verbrauch sternsternsternsternkein stern
Verarbeitung sternsternsternsternkein stern
Sicherheit sternsternsternsternstern

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